Ab September 2018 folgt die nächste Toskana Reisereportage "La Dolce Vita und die Spuren der Vergangenheit" - Im Blog kommt bald der erste Bericht zu unserer Orientreise mit Mein Schiff 5

Lissabon Stadtführung – Der Test

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Die Entscheidung fiel leicht

Generell ist ein Individualtourist ein Individualist und will sich dem Zwang einer Gruppe nur selten unterwerfen. Wir dachten auch immer, dass es zu zweit und selbst organisiert den meisten Spaß bringt. Doch wir lernten in Lissabon, es geht auch anders. Irgendwann vor unserer Reise kam mir der Gedanken uns die Stadt mal von einem Einheimischen Führer zeigen zu lassen.

Man kann über ‚rent a guide‘ oder ‚get your guide‘ oder Trip Advisor oder mit dem Schlagwort „Stadtführung“ im Internet suchen. Seit ein paar Jahren sind auch kostenlose Stadtführungen in einigen Städten ein neuer Trend und manche schon richtig gut etabliert. Also lautete unsere Vorgabe: Eine kostenpflichtige Führung und eine kostenlose auszusuchen, um damit auch unsere Zufriedenheit danach zu testen.

Die Auswahl an kostenlosen Touren war überschaubar in Lissabon. Die „Lisbon Chill Out Free Tour“ drängte sich also regelrecht auf. Die Auswahl bei den kostenpflichtigen Touren erschlug einen regelrecht. Aber wir dachten mit der Schlemmertour durch Lissabon etwas mehr über Essen und Trinken der Portugiesen bzw. der Lissabonner im Speziellen zu erfahren.

Die „Lisbon Chill Out Free Tour“

Treffpunkt ist der ‚Praca Luis de Camoes‘ fast jeden Tag um 16:30 Uhr. Diese Information bitte kurz vorher nochmal überprüfen. Dann sollte aber alles klappen. Am Platz dann die Gruppe zu finden, ist recht einfach. Irgendwie fällt einem der Guide oder die Menschenansammlung auf und man fragt einfach mal nach, ob es sich um die entsprechende Tour handelt. Es gibtkeine Voranmeldung, aber auch mit würde das Prozedere in etwa wie beschrieben ablaufen. In unserem Fall standen 2 Guides zur Verfügung und wir teilten uns entsprechend in 2 Gruppen auf. Wie nicht anders zu erwarten, war die Zusammensetzung international wie zum Beispiel tschechisch und mexikanisch, amerikanisch, deutsch und andere Nationen.

 

chill out free tour
Rafael von der Chill Out Free Tour in Lissabon

Unser Guide hieß Rafael und zeigte uns sozusagen „sein klassisches“ Lissabon. Das Angenehme an der Lisbon Chill Out Free Tour ist, dass die Führung mit jedem Guide anders ist. Im Prinzip sind alle Touren ähnlich, aber die Schwerpunkte können die Guides frei wählen. Dadurch muss sich jeder auf das einlassen, was nun in den nächsten 3 bis 4 Stunden folgt. So geht es mal n Richtung Parque Eduardo VII. oder vielleicht zum Rossio oder zum Tejo oder …

Unsere Tour begann in Chiado, führte uns durch Teile von Bairro Alto nach unten in die Baixa zum Praca do Comercio. Das Tempo war mäßig, denn ich konnte gut fotografieren und filmen. Immer wieder gab es einen Halt und Rafael wusste Wissenwertes an uns weiterzugeben. Vom Praca do Comercio ging es in einen interessanten Teil, wo weniger Touristen durchgingen und das ursprüngliche Lissabon zu spüren war. Von der Baixa ging es nun in die Alfama. und der Strom der Touristen wurde überschaubarer. Alfama bedeutet aber auch Anstieg, denn unser Ziel lag in der Nähe der Burg. Für uns war die Alfama für kurze Zeit zur zweiten Heimat geworden und so waren wir gleich doppelt interessiert.

Zum Schluss endete unsere Tour beim Miradouro da Graca und wer die Straße dorthin schon mal gegangen ist, kann sich vorstellen, wie sportlich der Aufstieg war. Der Ort war gut gewählt, weil hier Platz für die Gruppe war und ruhig war es auch. Rafael blieb noch eine Weile und erklärte den Ausblick, beantwortete Fragen und nahm gerne unser kleines Trinkgeld entgegen. Das hatte er sich auch verdient. Wir beschlossen auf kommenden Reisen uns auch über die kostenlosen Touren zu informieren. Denn die Tour war interessant, der Tourguide absolut toll und die Gruppe war gerade mal 16 Personen stark. Aber Vorsicht, denn bei sehr starker Nachfrage kann ich mir auch mal eine doppelt so große Gruppe vorstellen. Allerdings wollen die Initiatoren dieser freien Touren die Gruppenstärke eher kleiner halten.

Fazit: Was umsonst ist, muss nicht zwangsläufig billig sein. Hierbei meine ich die Qualtät. Denn eine Stadtführungbei der die Gruppe mit einer Fülle historischer Daten konfrontiert wird, braucht nicht jeder. Wer aber als Neuling in einer fremden Stadt ist, dem kann so eine Stadtführung helfen sich schneller vor Ort zurechtzufinden. Kurz darauf kann man ja mit eigenen Erkundungen beginnen. Von mir erhält die „LISBON CHILL OUT FREE TOUR“ ganz klar den „DAUMEN HOCH“.

Rossio Denkmal
Treffpunkt Stadtführung ist das Denkmal für Pedro IV.

Ein „Gastronomischer Rundgang & Weinverkostung“

Treffpunkt war der Rossio am Denkmal von Pedro IV., um 16:30 Uhr. Hier holte uns unser Guide Pedro ab und es ging gleich in die Vorstellungsrunde. So ergab sich eine etwa halb deutsche, halb amerikanische Gruppenaufteilung, wobei die junge Frau aus Groß Britannien nicht unterschlagen werden soll. Der Preis für die Tour betrug 39,– € pro Person und versprach ein ganz lustiger Trip rund um den Rossio zu werden. Pedro gab auch gleich zu verstehen, dass es sich bei dieser Tour nicht um eine Kombination aus einer Stadtführung mit gelegentlichen Trinkpausen handelt. Er drückte sich in etwa so aus, dass in der Folge die weingeistigen Anmerkungen wahrscheinlich hochgeistigen etwas in den Hintergrund treten lassen.

Unser erster Besuch galt einer kleinen Bar mit dem Probieren von kühlem, grünen Wein mit warmen Kabeljauteigtaschen. Das im Internet angekündigte Café Nicola am Rossio besuchten wir allerdings nicht. Stattdessen ging es hoch on Baixa nach Chiado. Dort erklärte Pedro, wie man auf einem kürzeren Weg zu der Stelle gelangen kann, die man über den Aufzug Santa Justa erreicht. Weiter ging es nach Bairro Alto. Auf dem Weg lag die Cervejaria Trindade, die aber nichtn besucht wurde. So landeten wir in einem Weinlokal, wo es Wein zu probieren gab, den Pedro erklärte, wie auch die Tapas dazu. Die Weinprobe führte schon mal zum Vergleich mit dem grünen Wein von davor. Die Geschmäcker gingen hierbei aber auseinander. Jeder Jeck ist eben anders. Schließlich landeten wir bei der Manteigaria Silva, wo wir neben einem leckeren Portwein auch Marmelade und Käse probieren konnten.

Rossio Ginginha
Guide Pedro präsentiert unsere Flasche Ginginha

Nun ging es zu den härteren Spirituosen, zum „A Ginjinha“. Der kleine Laden von höchstens 2 qm heißt wie der Likör, der hier ausgeschenkt wird. Bevor Pedro mit der Flasche zur Gruppe zurück kam, hatten unsere amerikanischen Gruppenmitglieder mit einheimischen (sagen wir mal) Betrunkenen angefreundet und Ginjinha pobieren können. Der Rest stand übrigens stocknüchtern herum und amüsierte sich über das Geschehen. Zum Abschlus ging es in eines meiner Lieblingslokale der „Casa Do Alentejo“. Dort gab es Chorizo, Käse, Tapas, Wein und eine Erbsensorte, die in Portugal wie Kartoffelchips beim Fernsehen schauen konsumiert werden.

Fazit: Alle in der Liste der enthaltenen Leistungen angegebenen Getränke und Lebensmittel wurden auch verkostet. Allerdings wurden bei Get-Your-Guide das Café Nicola und das Brauhaus Trindade so aufgeführt, dass man es dann beim Rundgang vermisste. Ich hätte gerne noch etwas über die berühmte portugiesische Kaffeekultur erfahren. Pedro war sehr unterhaltsam, erklärte viel und teilweise mehr als man anfänglich vermuten konnte. Die Tour ist abwechslungsreich und ein Riesenspaß. Wer hofft oder befürchtet, dass ihn der viele Alkohol betrunken macht, wird enttäuscht. Das Level war immer recht niedrig, auch wenn es hinterher nicht unbedingt zum Auto fahren reichte. Don’t drink, don’t drive. Die Tour war allemal die Ausgabe von 39,– € wert.  Somit bekommt auch sie den „DAUMEN HOCH“.

Mein Gesamtfazit: Diese Touren würde ich gerne wieder mal machen.

Ob eine Tour etwas kostet oder nicht, ist relativ, wenn die Führung nicht zufriedenstellend ist oder die Gruppe nicht an einem Strang zieht. In Lissabon begegneten uns eher fröhliche, höfliche und sehr freundliche Menschen, so dass die beiden Guides sich da locker einreihten. Ganz umsonst geht gar nicht. Auch bei einer bezahlten Tour gibt man ein Trinkgeld, denn oft beenden die Guides nicht sturr nach 3 Stunden ihre Tour. Das hängt auch von der jeweiligen Gruppe ab, aber unsere Guides waren mit sehr viel Leidenschaft und Spaß dabei. Also ein Hoch auf Lissabon und die Lissabonner. Meine Empfehlung ist, dass man sich das Angebot sehr genau ansieht, denn viele der Angebote haben auch einen recht hohen Preis. Einige der Angebote kann man auch selbst organisieren. Da war die Schlemmertour schon mal eine besondere Tour und der lange Marsch mit Rafael brachte einem das Zentrum Lissabons näher und war einfach schön.

Daumen hoch für Lissabon. Mittlerweile haben wir eine weitere Möglichkeit ausprobiert: Einen Fahrer für den Tagesausflug. Davon werde ich mal demnächst berichten.

Verfolgen Ralf Zöllner:

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